Trinkgeld auf Kreuzfahrt: Wer bekommt wie viel auf See?

Der Trinkgeld-Dschungel auf dem Meer
Eine Kreuzfahrt ist gebucht, die Vorfreude steigt und die Koffer sind fast gepackt. Doch eine Frage sorgt bei vielen Reisenden vorab für rauchende Köpfe: Wie läuft das eigentlich mit dem Trinkgeld an Bord? Wer bekommt wie viel, was ist bereits im Reisepreis enthalten und wie drückt man seine Wertschätzung für den exzellenten Service am besten aus?
Die Regelungen auf den Weltmeeren sind so vielfältig wie die Routen selbst. Damit du bei deiner nächsten Reise mit der PortStory-App im Gepäck genau weißt, wie du dich verhältst, bringen wir Licht ins Dunkel des Bord-Trinkgelds.
Inklusive, automatisch oder bar? Die drei Modelle
Je nachdem, mit welcher Reederei du unterwegs bist, unterscheidet sich das System grundlegend. Grob lässt sich der Markt in drei Modelle unterteilen:
- Trinkgelder inklusive: Bei vielen europäischen und insbesondere deutschen Anbietern ist das Trinkgeld bereits komplett im Reisepreis enthalten. Du musst dir im Alltag keine Gedanken machen. Dennoch freut sich die Crew über eine persönliche Anerkennung.
- Automatische Servicegebühr: Vor allem bei amerikanischen und internationalen Reedereien wird pro Tag und Gast ein fester Betrag automatisch auf das Bordkonto gebucht. Diese Summe wird am Ende der Reise über deine hinterlegte Kreditkarte abgerechnet und intern auf die verschiedenen Service-Bereiche aufgeteilt. Du kannst diesen Betrag an der Rezeption anpassen lassen, falls der Service nicht deinen Erwartungen entsprach.
- Freiwilliges Trinkgeld: Es gibt keine festen Vorgaben oder automatischen Buchungen. Du entscheidest völlig frei, wem du wie viel am Ende der Reise oder direkt nach dem Service zukommen lässt.
Wer bekommt wie viel? Richtwerte für die Crew
Wenn du trotz automatischer Gebühren oder inkludierter Leistungen einzelnen Crew-Mitgliedern eine persönliche Freude machen möchtest – oder wenn du in einem freien System reist –, helfen dir diese Richtwerte zur Orientierung:
- Kabinenstewardessen und -stewards: Sie sind die guten Geister, die deine Kabine zweimal täglich auf Vordermann bringen. Ein Betrag von 2 bis 5 Euro bzw. US-Dollar pro Tag ist hier eine schöne Geste. Am besten übergibst du diesen Betrag persönlich zur Mitte oder am Ende der Reise.
- Restaurantpersonal: Wenn du im Bedienrestaurant jeden Abend einen festen Tisch und die gleichen Kellner hast, bauen sich schnell persönliche Beziehungen auf. Hier sind 2 bis 5 Euro bzw. US-Dollar pro Tag für das Team angemessen.
- Barkeeper und Servicekräfte an den Bars: Bei vielen internationalen Reedereien wird auf Getränkebestellungen automatisch eine Servicegebühr von 15 bis 20 Prozent aufgeschlagen. Ist das nicht der Fall oder war der Service herausragend, kannst du bei jeder Bestellung direkt 1 bis 2 Euro bzw. US-Dollar bar geben oder den Beleg entsprechend aufrunden.
Die richtige Währung und Übergabe
In welcher Währung gibt man das Trinkgeld am besten? Die Faustregel lautet: Nutze die Bordwährung des Schiffes oder die Währung des Fahrtgebietes. Auf Schiffen, die in US-Dollar abrechnen, sind US-Dollar-Scheine (bitte keine Münzen) am beliebtesten. Auf europäischen Schiffen ist der Euro die beste Wahl.
Ein wichtiger Tipp: Die Crew-Mitglieder können mit ausländischen Münzen an Bord oft nur schwer bezahlen oder diese umtauschen. Nutze daher für den persönlichen Dank lieber kleine Scheine. Du kannst das Geld in einen kleinen Umschlag stecken und eine kurze, handschriftliche Dankeskarte dazulegen. Das zeigt echte Wertschätzung.
Mythen aufgeklärt: Was du wissen solltest
Es halten sich hartnäckige Gerüchte rund um das Thema Trinkgeld. Wir räumen mit den zwei häufigsten Mythen auf:
Mythos 1: "Wenn ich die automatische Servicegebühr streiche, gebe ich das Geld lieber bar – das ist besser für die Crew." Das stimmt leider oft nicht. Bei einigen Reedereien ist die Crew vertraglich dazu verpflichtet, erhaltenes Bargeld in einen gemeinsamen Pool einzuzahlen, wenn der Gast die automatische Pauschale storniert hat. Die Streichung der Pauschale schadet im Zweifel also eher, als dass sie hilft.
Mythos 2: "Trinkgeld ist nur für das sichtbare Personal." Hinter den Kulissen arbeiten Hunderte Menschen in der Wäscherei, der Küche oder im Maschinenraum, die du nie zu Gesicht bekommst. Die automatischen Servicegebühren werden zu einem Teil auch an diese Mitarbeiter verteilt. Ein reines Barzahler-System schließt diese wichtigen Kräfte oft aus.



